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19.12.2016

EFSA Leitlinien für neuartige Lebensmittel

Die EFSA hat zwei Leitlinien zur Antragstellung für neuartige Lebensmittel einerseits und für traditionelle Lebensmittel aus Drittländern andererseits einschließlich der Berichte zur Konsultation veröffentlicht.

Die zwei Leitlinien werden die Grundlage für die in den Durchführungsrechtsakten der Europäischen Kommission bis zum Anwendungsbeginn der „neuen“ Novel Food-Verordnung festzulegenden „administrativen und wissenschaftlichen Anforderungen an die Anträge durch die Kommission“. So sehen es die Artikel 13 und 20 der „neuen“ Novel Food-Verordnung vor.

Ziel:
Die Leitliniendokumente zu neuartigen Lebensmitteln bzw. traditionellen Lebensmitteln aus Drittländern sollen helfen zu gewährleisten, dass solche Lebensmittel sicher sind, bevor Risikomanager darüber entscheiden, ob sie in Europa zulässigerweise in den Verkehr gebracht werden können.  

Hintergrund:
Die nunmehr veröffentlichten Leitliniendokumente wurden nach der Verabschiedung der neuen EU-Verordnung über neuartige Lebensmittel im November 2015 entwickelt. Die „neue“ Novel Food-Verordnung hat die Vorgängerverordnung aus dem Jahr 1997 ersetzt. Sie tritt im Januar 2018 in Kraft. Vorgesehen ist ein zentrales Bewertungs- und Zulassungsverfahren. EU-Risikomanager werden über die Marktzulassung neuartiger Lebensmittel entscheiden und können zur Bestätigung solcher Lebensmittel die EFSA um die Durchführung einer wissenschaftlichen Risikobewertung bitten.  

Neuartige und traditionelle Lebensmittel:
Als neuartige Lebensmittel werden solche angesehen, die von den europäischen Verbrauchern vor Mai 1997 nicht in einem nennenswerten Umfang verzehrt wurden. So wurden hierunter bislang etwa Lebensmittel aus neuen Quellen, wie z. B. Krill-Öl, das reich an Omega-3-Fettsäuren ist, gefasst, sowie auch Lebensmittel, die mit Hilfe neuer Technologien, wie z. B. der Nanotechnologie, oder unter Verwendung neuer Stoffe, z. B. Phytosterine oder Pflanzensterole, gewonnen werden.

Traditionelle Lebensmittel bilden eine Subgruppe neuartiger Lebensmittel. Hierzu gehören Lebensmittel, die in Ländern außerhalb der EU traditionell verzehrt werden. Beispielhaft genannt werden können Lebensmittel aus Mikroorganismen, Pilzen, Pflanzen, Algen und Tieren, wie z. B. Chia-Samen, Baobab-Früchte oder Wasserkastanien.  

Inhalt der Leitliniendokumente:
Die zwei neuen Leitliniendokumente sollen ausführlich erklären, welche Informationen der Antragsteller für das Risikobewertungsverfahren vorlegen muss. Hierzu gehören auch Hinweise zur Form, in welcher die Informationen beizubringen sind. Es müssen z. B. Daten eingereicht werden, die das Lebensmittel, das Gegenstand des Antragsverfahrens ist, beschreiben. Das Dossier soll auch Daten über kompositorische, ernährungsphysiologische, toxikologische und allergene Eigenschaften des neuartigen Lebensmittels enthalten. Darüber hinaus sind Informationen zum Herstellungsverfahren und den vorgeschlagenen Verwendungen und Verwendungsmengen einzureichen.  

Die EFSA macht traditionelle Lebensmittel aus Drittländern (nicht EU-Staaten) Gegenstand des zweiten Leitfadens. Für diese „Kategorie“ Lebensmittel muss der Nachweis durch den Antragsteller erbracht werden, dass das traditionelle Lebensmittel in mindestens einem Land außerhalb der EU für einen Zeitraum von mindestens 25 Jahren eine sichere Verwendung hat. In einem parallelen Verfahren werden die EFSA und die Mitgliedstaaten die Nachweise dann prüfen.  

Fazit: Neue Marktzugangschancen eröffnet
Die Antragstellung auf Bewertung der Sicherheit von traditionellen Lebensmitteln aus nicht EU-Staaten eröffnet den Lebensmittelunternehmern neue Perspektiven. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, bereits von Beginn an sorgfältig das Dossier zusammenzustellen. Hier können insbesondere Liefer- und Vertriebsdaten von Bedeutung sein. Es bleibt zu wünschen, dass damit den traditionellen Lebensmitteln aus Drittländern neue Marktchancen eröffnet werden.  

 

19.12.2016
Dr. Kirsten Plaßmann